Schwabing gilt seit jeher als eines der begehrtesten Wohnviertel Münchens: Gründerzeitfassaden, der Englische Garten vor der Tür, die Leopoldstraße als Lebensader. Das hat seinen Preis. Wer in Schwabing eine Mieterhöhung bekommt, eine Wohnung neu vermietet oder einfach wissen möchte, ob der eigene Vertrag noch marktgerecht ist, kommt am Mietspiegel für München nicht vorbei.
Seit dem 26. März 2025 gilt in München der neue, qualifizierte Mietspiegel 2025.1 Er löst die Ausgabe von 2023 ab und ist auch für Schwabing das wichtigste Werkzeug, um faire Mieten zu prüfen. Dieser Service-Artikel erklärt Schritt für Schritt, was der Mietspiegel ist, wie er sich von einer Berliner Tabelle unterscheidet, wie du die Werte liest und wie du für eine konkrete Schwabinger Adresse die ortsübliche Vergleichsmiete ermittelst.
- Was der Mietspiegel ist und wofür er rechtlich gilt
- Aktueller Stand: Mietspiegel 2025
- So liest man den Mietspiegel für München
- Schwabing nach Lage und Mietniveau
- Angebotsmieten in Schwabing: was Portale aufrufen
- Den eigenen Wert online ermitteln
- Mieterhöhung prüfen: das Wichtigste in Kürze
- Ausblick: Mietspiegel 2027 und das Schwabinger Mietniveau
- Quellen
Was der Mietspiegel ist und wofür er rechtlich gilt
Der Mietspiegel ist eine offizielle Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete in München. Er gibt wieder, welche Nettokaltmiete pro Quadratmeter für eine bestimmte Art von Wohnung in der Stadt üblich ist. Herausgegeben wird er vom Sozialreferat der Landeshauptstadt München.2
Rechtlich basiert der Mietspiegel auf § 558 und § 558d des Bürgerlichen Gesetzbuchs.3 München verfügt über einen sogenannten qualifizierten Mietspiegel. Das bedeutet: Er ist nach wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt und genießt vor Gericht eine Vermutungswirkung.4 Wer eine Mieterhöhung über die im Mietspiegel ausgewiesene Spanne hinaus begründen will, muss höhere vergleichbare Mieten nachweisen, was in der Praxis selten gelingt.
Der Mietspiegel hat damit drei zentrale Funktionen. Erstens dient er als Grundlage für Mieterhöhungen im laufenden Mietverhältnis, die nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete zulässig sind. Zweitens wird er bei der Mietpreisbremse für Neuvermietungen herangezogen, die in München bis Ende 2029 verlängert worden ist.5 Drittens ist er Schiedsrichter in jeder Auseinandersetzung über die angemessene Miete.
Aktueller Stand: Mietspiegel 2025
Der Mietspiegel für München 2025 wurde am 20. März 2025 vom Sozialausschuss des Stadtrats anerkannt und am 26. März 2025 vom Stadtrat bestätigt. Er ist bis März 2027 gültig.2 In die Auswertung sind Mietverhältnisse eingeflossen, die im Zeitraum von Februar 2018 bis Januar 2024 neu abgeschlossen oder geändert wurden.
München erstellt seinen Mietspiegel anders als Berlin nicht als reine Tabelle, sondern auf Basis eines Regressionsmodells. Die Daten erhob das Institut Kantar, die wissenschaftliche Auswertung übernahm das Institut für Statistik der Ludwig-Maximilians-Universität unter Prof. Dr. Göran Kauermann.6 Der Mietspiegel deckt rund 500.000 frei finanzierte Wohnungen in München ab.
Die durchschnittliche ortsübliche Nettokaltmiete laut Mietspiegel 2025 liegt bei 15,38 Euro pro Quadratmeter. Im Mietspiegel 2023 waren es noch 14,58 Euro, das entspricht einem Anstieg von rund 5,5 Prozent.1 Dabei macht der Mietspiegel einen wichtigen Unterschied: Bestandsmieten liegen im Schnitt bei 14,47 Euro pro Quadratmeter, bei einer Neuvermietung werden dagegen durchschnittlich 17,06 Euro fällig.7
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Anerkannt am | 26. März 2025 |
| Gültig bis | März 2027 |
| Löst ab | Mietspiegel 2023 |
| Datenzeitraum | Februar 2018 bis Januar 2024 |
| Abgedeckte Wohnungen | rund 500.000 frei finanziert |
| Ø Nettokaltmiete München 2025 | 15,38 €/m² |
| davon Bestandsmiete | 14,47 €/m² |
| davon Neuvermietung | 17,06 €/m² |
| Ø Nettokaltmiete München 2023 | 14,58 €/m² |
| Veränderung in zwei Jahren | +5,5 % |
| Nächste Ausgabe | 2027 |
Wichtig: Die 15,38 Euro sind ein gesamtstädtischer Durchschnitt aus allen Lagen und Baualtern. Für ein begehrtes Viertel wie Schwabing liegt die ortsübliche Vergleichsmiete spürbar darüber, weil die gute bis beste Wohnlage und der hohe Anteil sanierter Altbauten den Wert nach oben ziehen.
Hinweis
Der Mietspiegel gilt nicht für preisgebundenen Wohnraum (gefoerderte Wohnungen), möblierte Vermietungen, Wohnheime und Wohnungen, die nach 2024 erstmals bezogen wurden. Für diese Wohnformen gelten gesonderte Regeln.
So liest man den Mietspiegel für München
Der Münchner Mietspiegel funktioniert anders als der Berliner. Berlin arbeitet mit einer festen Tabelle aus Baujahr, Größe und Wohnlage. München rechnet stattdessen mit einem statistischen Modell, in das mehrere Merkmale gleichzeitig eingehen. Im Kern werden fünf Einflussgrößen geprüft.6
1. Baualter und Wohnungsgröße
Wie alt das Gebäude ist und wann es zuletzt grundlegend modernisiert wurde, gehört zu den stärksten Faktoren. Schwabing ist hier zweigeteilt: Auf der einen Seite die unsanierten Gründerzeitbauten, auf der anderen Seite hochwertig sanierte Altbauten und Neubauten, die einen deutlichen Aufschlag rechtfertigen. Auch die Wohnungsgröße fließt ein, denn kleine Wohnungen erzielen pro Quadratmeter in der Regel mehr als große.
2. Wohnlage: durchschnittlich, gut oder beste
Für jede Münchner Adresse ist im offiziellen Wohnlagenplan eine von drei Wohnlagen hinterlegt: durchschnittlich, gut oder beste Wohnlage.8 Die makroräumliche Lage hat in der Auswertung der LMU einen signifikanten Einfluss auf den Mietpreis. Schwabing ist über weite Teile als gute Lage eingestuft, die Streifen östlich der Leopoldstraße am Englischen Garten zählen zur besten Wohnlage Münchens.9
3. Ausstattung, Energiekennwert und Sondermerkmale
Verfeinert wird der Grundwert über die Ausstattung von Bad, Küche und Wohnung, über den energetischen Zustand des Gebäudes sowie über Sondermerkmale wie Aufzug, Balkon oder hochwertige Bodenbeläge. Positive Merkmale führen zu Zuschlägen, fehlende oder veraltete Ausstattung zu Abschlägen. Am Ende ergibt sich aus dem Grundwert plus oder minus den Zu- und Abschlägen die konkrete ortsübliche Vergleichsmiete für genau diese Wohnung.
Schwabing nach Lage und Mietniveau
Schwabing ist kein einheitlicher Stadtbezirk, sondern verteilt sich auf zwei Münchner Stadtbezirke: Schwabing-West (Bezirk 4) und Schwabing-Freimann (Bezirk 12).10 Innerhalb dieser Bezirke reicht die Bandbreite vom dichten Gründerzeitquartier bis zu ruhigen Lagen am Englischen Garten. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Teilbereiche grob ein. Maßgeblich bleibt im Einzelfall immer der offizielle Wohnlagenplan zum Mietspiegel, in dem für jede Adresse die genaue Wohnlage hinterlegt ist.8
| Teilbereich | Überwiegende Wohnlage | Prägung |
|---|---|---|
| Leopoldstraße am Englischen Garten | beste Wohnlage | Repräsentative Altbauten direkt am Park, höchstes Mietniveau Schwabings |
| Münchner Freiheit / Wedekindplatz | gut bis beste | Herz des alten Schwabing, sanierte Gründerzeit, sehr nachgefragt |
| Schwabing-West (Kern) | überwiegend gut | Dichte Gründerzeitblöcke um Hohenzollern- und Kurfürstenplatz |
| Randlagen entlang großer Achsen | durchschnittlich bis gut | Verkehrsnahe Lagen, älterer Bestand, etwas günstiger |
| Freimann (Bezirk 12, Norden) | durchschnittlich bis gut | Gemischte Bestaende und Neubau, niedrigeres Niveau als Schwabing-West |
Gerade rund um den Englischen Garten liegen gute und beste Wohnlagen oft dicht beieinander. Eine Adresse weiter kann die Einstufung schon anders ausfallen, deshalb lohnt vor jeder Mietprüfung der Blick in den Wohnlagenplan. Wer mehr über die Struktur des Viertels wissen will, findet eine Übersicht der Schwabinger Stadtteile sowie zur Bevölkerung Schwabings in unseren weiteren Service-Artikeln.
Angebotsmieten in Schwabing: was Portale aufrufen
Ein wichtiger Hinweis vorweg: Die ortsüblichen Vergleichsmieten des amtlichen Mietspiegels und die Angebotsmieten auf den großen Immobilienportalen sind zwei verschiedene Dinge. Der Mietspiegel bildet den realen Bestand inklusive aller älteren, günstigeren Verträge ab. Die Portale zeigen, was Vermieter heute neu aufrufen, und das liegt in Schwabing deutlich höher.
Für Schwabing-West weisen Immobilienportale im Juni 2026 eine durchschnittliche Angebotsmiete von rund 28,41 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen aus, für Schwabing-Freimann rund 27,49 Euro pro Quadratmeter.11 Innerhalb des Viertels reicht die Spanne von etwa 14 bis 17 Euro in günstigeren Randlagen bis 24 Euro und mehr in den gefragtesten Quartieren rund um die Münchner Freiheit.12
Wichtig zu wissen
Die genannten Werte um 28 Euro pro Quadratmeter sind Angebotsmieten aus Portalauswertungen, keine amtlichen Mietspiegelwerte. Für eine Mieterhöhung oder die Prüfung deines Vertrags zählt allein die ortsuebliche Vergleichsmiete aus dem amtlichen Münchner Mietspiegelrechner.
Den eigenen Wert online ermitteln
Wer für eine konkrete Wohnung in Schwabing die ortsübliche Vergleichsmiete bestimmen möchte, muss nicht mit der gedruckten Broschüre arbeiten. Die Landeshauptstadt München stellt unter mietspiegel-muenchen.de einen offiziellen, kostenfreien Mietspiegelrechner samt Wohnlagenplan zur Verfügung.13 Abgefragt werden Schritt für Schritt:
- Adresse der Wohnung (das System liefert die Wohnlage aus dem Wohnlagenplan)
- Baujahr und Modernisierungsstand des Gebäudes
- Wohnungsgröße in Quadratmetern
- Ausstattung von Bad, Küche und Wohnung
- energetischer Zustand des Gebäudes
- Sondermerkmale wie Aufzug, Balkon oder hochwertige Bodenbeläge
Am Ende gibt der Rechner einen Mietpreisspielraum aus. Dieser Wert ist die offizielle ortsübliche Vergleichsmiete für genau diese Wohnung und damit die belastbare Grundlage, um eine Mieterhöhung zu prüfen.
Mieterhöhung prüfen: das Wichtigste in Kürze
Eine Mieterhöhung im Bestand ist nur unter mehreren Bedingungen zulässig. Die Miete muss seit mindestens 15 Monaten unverändert sein, sie darf die ortsübliche Vergleichsmiete nicht überschreiten und sie unterliegt der Kappungsgrenze.3 In München gilt die abgesenkte Kappungsgrenze von 15 Prozent innerhalb von drei Jahren statt der allgemeinen 20 Prozent, weil die Stadt als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt eingestuft ist.14
Beim Vergleich mit dem Mietspiegel zählt der konkrete Wert aus dem Mietspiegelrechner, nicht der gesamtstädtische Durchschnitt. Bei Neuvermietungen begrenzt die Mietpreisbremse den Neuvertrag auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. München gehört nach der bayerischen Mieterschutzverordnung weiterhin zu den Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt, die Mietpreisbremse gilt hier bis Ende 2029.15
Wer eine Mieterhöhung erhält, sollte sie nicht ungeprüft unterschreiben. Anhand des Mietspiegels lässt sich in wenigen Minuten überprüfen, ob das Schreiben formell korrekt ist und ob der geforderte Betrag tatsächlich der ortsüblichen Vergleichsmiete entspricht. Gerade in Schwabing mit seinen hohen Angebotsmieten lohnt dieser Abgleich besonders. Wird die Obergrenze überschritten, ist die Erhöhung in dieser Höhe nicht durchsetzbar.
Hinweis
Bei rechtlichen Fragen rund um eine Mieterhöhung oder die Mietpreisbremse beraten in München unter anderem der Mieterverein München und der Mieterbund. Den amtlichen Mietspiegelrechner und den Wohnlagenplan findest du auf den Seiten der Landeshauptstadt München.
Ausblick: Mietspiegel 2027 und das Schwabinger Mietniveau
München erstellt seinen Mietspiegel im Zweijahresrhythmus. Die Datenerhebung für den Mietspiegel 2027 hat bereits Anfang 2025 begonnen, befragt werden rund 30.000 zufällig ausgewählte Münchner Haushalte.16 Bis zur Anerkennung der neuen Ausgabe gelten die Werte von 2025 als Maßstab.
Für Schwabing bleibt das Viertel auf absehbare Zeit eines der teuersten Wohngebiete Münchens. Die Lage am Englischen Garten, der sanierte Gründerzeitbestand und die durchgehend gute bis beste Wohnlage sorgen dafür, dass die ortsübliche Vergleichsmiete hier klar über dem Stadtdurchschnitt liegt. Wer hier wohnt, sollte den Mietspiegelrechner kennen, denn er ist das schärfste Werkzeug gegen überzogene Forderungen. Wie sich die hohen Wohnkosten in den Alltag einfügen, zeigt unser Überblick zu den Lebenshaltungskosten in Schwabing.