Kaum ein Münchner Stadtteil trägt so viel Mythos mit sich wie Schwabing. Um 1900 lebte hier die Bohème, Maler, Dichter und Lebenskünstler bevölkerten die Cafés rund um die Akademie, später wurde der Norden Münchens zum Synonym für ein freieres, jüngeres Lebensgefühl.
Heute ist Schwabing ein gefragtes, teils gehobenes Wohnviertel, doch die Spuren der Künstlerzeit sind überall sichtbar. Zwischen Englischem Garten, Jugendstilfassaden und der breiten Leopoldstraße lässt sich ein Tag verbringen, ohne dass es langweilig wird. Dreizehn Orte zeigen, warum sich der Streifzug lohnt.
- 1. Englischer Garten
- 2. Monopteros
- 3. Chinesischer Turm
- 4. Eisbachwelle
- 5. Kleinhesseloher See
- 6. Leopoldstraße
- 7. Siegestor
- 8. Walking Man
- 9. Münchner Freiheit
- 10. Wedekindplatz
- 11. Jugendstilhäuser der Ainmillerstraße
- 12. Akademie der Bildenden Künste
- 13. Friedensengel
- Ausblick: Schwabing zwischen Mythos und Gegenwart
- Quellen
1. Englischer Garten
- Adresse: Englischer Garten, 80538 München (Schwabinger Seite)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Spaziergänger, Familien, Sonnenanbeter
- Verkehr: U-Bahn Universität oder Münchner Freiheit (U3, U6)
Der Englische Garten ist Schwabings grüne Lunge und einer der größten innerstädtischen Parks der Welt. Auf rund 375 Hektar zieht er sich über mehrere Kilometer von der Innenstadt nach Norden, ein großer Teil davon grenzt direkt an Schwabing. Angelegt wurde er ab 1789 nach Ideen von Benjamin Thompson, dem späteren Reichsgrafen von Rumford.
An warmen Tagen liegen hier hunderte Menschen auf den Wiesen, im Sommer wird auf den Hügeln gegrillt und an den Bächen gebadet. Der Park ist Ausgangspunkt für fast alles, was Schwabing an Natur zu bieten hat, und mehrere der folgenden Stationen liegen mitten in ihm.
2. Monopteros
- Adresse: Englischer Garten, südlicher Teil, 80538 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Fotografen, Aussichtssuchende
- Tipp: Sonnenuntergang mit Blick auf die Türme der Altstadt
Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel im Englischen Garten steht der Monopteros, ein klassizistischer Rundtempel mit ringförmig angeordneten Säulen. Entworfen hat ihn Leo von Klenze, der Hofarchitekt Ludwigs I., errichtet wurde er um 1836.
Der Hügel ist einer der beliebtesten Treffpunkte des Parks. Von hier oben fällt der Blick über die Baumkronen bis zur Frauenkirche und zum Rathausturm. Am Abend sitzen Studenten auf den Stufen, jemand spielt Gitarre, und im Sommer ist die Wiese darunter dicht besetzt.
3. Chinesischer Turm
- Adresse: Englischer Garten 3, 80538 München
- Eintritt: frei (Biergarten mit Bewirtung)
- Geeignet für: Biergartenfans, Familien
- Saison: Biergarten je nach Wetter, meist März bis Oktober
Der Chinesische Turm ist ein 25 Meter hoher Holzbau im Stil einer Pagode, ursprünglich Ende des 18. Jahrhunderts errichtet. Das heutige Bauwerk ist ein Wiederaufbau, denn der Turm brannte im Zweiten Weltkrieg aus.
Berühmt ist vor allem der Biergarten zu seinen Füßen, einer der größten Münchens mit rund 7.000 Plätzen. Unter alten Kastanien sitzt man hier an langen Tischen, oben im Turm spielt an manchen Tagen eine Blaskapelle. Für viele Besucher ist das der Inbegriff des bayerischen Biergartens.
4. Eisbachwelle
- Adresse: Eisbach, südlicher Eingang Englischer Garten, an der Prinzregentenstraße
- Eintritt: frei (Zuschauen)
- Geeignet für: Schaulustige, Surfer
- Hinweis: nur für erfahrene Surfer, Strömung lebensgefährlich
Am Südrand des Englischen Gartens, dort wo der Eisbach unter einer Brücke hervorschießt, bildet sich eine stehende Welle, auf der das ganze Jahr über gesurft wird. Die Eisbachwelle gilt als bekanntester Riversurf-Spot der Welt und ist längst ein Wahrzeichen Münchens.
Bei jedem Wetter stehen hier Surfer in Neoprenanzügen Schlange, im Winter ebenso wie im Hochsommer. Das Surfen war lange nur geduldet, ist inzwischen aber offiziell erlaubt. Vom Brückengeländer aus schaut man den Sportlern direkt auf die Bretter, ein kostenloses Schauspiel, das immer eine kleine Menschenmenge anzieht.
5. Kleinhesseloher See
- Adresse: Englischer Garten, nördlich des Rings, 80802 München
- Eintritt: frei (Bootsverleih kostenpflichtig)
- Geeignet für: Ruderer, Spaziergänger, Familien
- Tipp: Biergarten Seehaus direkt am Ufer
Im nördlichen Teil des Englischen Gartens liegt der Kleinhesseloher See, ein künstlich angelegtes Gewässer mit drei kleinen Inseln. Im Sommer kann man hier Ruder- und Tretboote leihen und über das Wasser gleiten, während Enten und Schwäne nebenher schwimmen.
Direkt am Ufer steht das Seehaus, ein Biergarten und Restaurant mit Terrasse zum Wasser. Der See markiert ungefähr die Grenze zwischen dem belebten Südteil und dem ruhigeren, weitläufigen Hirschau-Gelände im Norden. Wer dem Trubel entkommen will, geht ein paar Schritte weiter.
6. Leopoldstraße
- Adresse: Leopoldstraße, 80802 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Flaneure, Cafégänger, Shopping
- Verkehr: U-Bahn Giselastraße und Münchner Freiheit (U3, U6)
Die Leopoldstraße ist die Lebensader Schwabings, eine breite, von Platanen gesäumte Prachtstraße, die als Verlängerung der Ludwigstraße nach Norden führt. Ihren Namen trägt sie seit 1891, nach Prinz Leopold von Bayern.
Tagsüber reihen sich Cafés, Geschäfte und Eisdielen aneinander, am Abend und an Wochenenden füllen sich die Terrassen. Im Sommer verwandelt sich der mittlere Boulevardstreifen zeitweise in eine Flaniermeile mit Ständen und Straßenkünstlern. Wer Schwabing in einem Spaziergang erfassen will, läuft die Leopoldstraße vom Siegestor bis zur Münchner Freiheit ab.
7. Siegestor
- Adresse: Leopoldstraße, Ecke Akademiestraße, 80802 München
- Eintritt: frei (Außenbesichtigung)
- Geeignet für: Architekturfreunde, Fotografen
- Verkehr: U-Bahn Universität (U3, U6)
Das Siegestor markiert die Grenze zwischen der Maxvorstadt und Schwabing. Der dreibogige Triumphbogen wurde zwischen 1843 und 1852 nach Plänen von Friedrich von Gärtner errichtet, beauftragt von König Ludwig I. Vorbild war der Konstantinsbogen in Rom, gekrönt wird das rund 21 Meter hohe Tor von einer Quadriga mit der Bavaria.
Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde das Tor bewusst nur teilweise wiederhergestellt. Die Inschrift auf der Südseite fasst diese Haltung in wenige Worte: dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend. So wurde aus dem Siegesdenkmal ein Mahnmal.
8. Walking Man
- Adresse: Leopoldstraße 28, 80802 München
- Eintritt: frei (öffentlicher Standort)
- Geeignet für: Kunstinteressierte, Fotografen
- Tipp: direkt an der U-Bahn Giselastraße
Vor dem Verwaltungsgebäude der Munich Re an der Leopoldstraße steht der Walking Man, eine 17 Meter hohe Skulptur des amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky. Aufgestellt wurde sie 1995 und ist seither eines der modernen Wahrzeichen Schwabings.
Die weiße, schreitende Figur aus Stahl und glasfaserverstärktem Kunststoff wirkt, als wolle sie jeden Moment losgehen. Sie bildet einen bewussten Gegenpol zum historischen Siegestor wenige hundert Meter weiter südlich und gehört zu den meistfotografierten Motiven der Straße.
9. Münchner Freiheit
- Adresse: Münchner Freiheit, 80802 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Cafégänger, Marktbesucher
- Verkehr: U-Bahn Münchner Freiheit (U3, U6)
Der zentrale Platz Schwabings hieß früher Feilitzschplatz und trägt seit 1946 den Namen Münchner Freiheit, in Erinnerung an die gleichnamige Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime. Heute ist der Platz ein lebhafter Knotenpunkt mit U-Bahn, Tram und Bussen.
Rund um den Platz liegen Cafés, Geschäfte und ein kleiner Markt. Auf einer Seite steht ein großes öffentliches Schachbrett, auf dem regelmäßig gespielt wird. Vom Englischen Garten ist man in wenigen Minuten hier, weshalb die Münchner Freiheit für viele der natürliche Startpunkt eines Schwabing-Besuchs ist.
10. Wedekindplatz
- Adresse: Wedekindplatz, 80802 München
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Nachtschwärmer, Cafégänger
- Tipp: die schiefe Laterne aus dem alten Lokal Bei Gisela
Wenige Schritte von der Münchner Freiheit liegt der Wedekindplatz, einer der lebendigsten kleinen Plätze des Viertels. Hier sitzt man in den Cafés, sieht und wird gesehen, und im Sommer ist abends fast jeder Platz besetzt.
Eine Münchner Kuriosität steht mitten auf dem Platz: die schiefste Straßenlaterne der Stadt. Sie stammt aus dem legendären Schwabinger Lokal Bei Gisela und erinnert an die Wirtin und Künstlerförderin Gisela Jonas. Der Platz ist nach dem Dramatiker Frank Wedekind benannt, der zur Schwabinger Bohème gehörte.
11. Jugendstilhäuser der Ainmillerstraße
- Adresse: Ainmillerstraße, 80801 München
- Eintritt: frei (bewohnte Häuser, Außenbesichtigung)
- Geeignet für: Architekturfans, Fotografen
- Tipp: besonders die Fassade Ainmillerstraße 22
Schwabing ist eines der schönsten Jugendstilviertel Deutschlands. Um 1900, in der Blütezeit der Bohème, entstanden hier zahlreiche Wohnhäuser mit verspielten Fassaden, geschwungenen Erkern und floralem Stuck. Besonders dicht stehen sie in der Ainmillerstraße.
Die Hausnummer 22 gilt als eine der eindrucksvollsten Jugendstilfassaden der Stadt. Wer durch die ruhigen Seitenstraßen rund um die Ainmiller-, Friedrich- und Römerstraße geht, entdeckt überall Reste dieser Epoche. Hinter manchen dieser Fassaden wohnten einst Künstler wie Wassily Kandinsky und Paul Klee.
12. Akademie der Bildenden Künste
- Adresse: Akademiestraße 2, 80799 München
- Eintritt: Außenbesichtigung frei, Innenbereiche zu Veranstaltungen
- Geeignet für: Architekturfreunde, Kunstinteressierte
- Verkehr: U-Bahn Universität (U3, U6)
Am Übergang von der Maxvorstadt nach Schwabing steht die Akademie der Bildenden Künste, einer der traditionsreichsten Kunsthochschulen Deutschlands. Der prächtige Bau im Stil der italienischen Renaissance wurde 1886 nach Plänen von Gottfried von Neureuther fertiggestellt.
Die Akademie war einer der Gründe, warum sich um 1900 so viele Künstler in Schwabing niederließen, die kurzen Wege und die billigen Ateliers zogen sie an. Wer die Geschichte des Viertels verstehen will, sollte einen Blick auf die Schwabinger Bohème werfen, die hier ihren Ausgang nahm.
13. Friedensengel
- Adresse: Prinzregentenstraße, 81675 München (östliches Isarufer)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Spaziergänger, Aussichtssuchende
- Tipp: Blick von der Terrasse über die Isar Richtung Schwabing
Am südöstlichen Rand Schwabings, jenseits der Isar an der Prinzregentenstraße, steht der Friedensengel auf einer hohen Säule. Eingeweiht wurde das Denkmal 1899, zur Erinnerung an die fünfundzwanzig Friedensjahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.
Die vergoldete Figur thront auf einer rund 38 Meter hohen Säule, von der Terrasse darunter blickt man über die Isarauen zurück auf Schwabing und die Innenstadt. Streng genommen liegt der Friedensengel schon in Bogenhausen, doch er gehört zu den Aussichtspunkten, die man von Schwabing aus mühelos zu Fuß erreicht.
- Alter Nördlicher Friedhof: aufgelassener Friedhof an der Arcisstraße, heute ein stiller Park mit alten Grabmälern
- Luitpoldpark: Parkanlage von 1911 mit Hügel aus Kriegsschutt und weitem Blick über die Dächer
- Erlöserkirche: bedeutender Jugendstil-Kirchenbau am Ungererbad-Rand, oft übersehen
Ausblick: Schwabing zwischen Mythos und Gegenwart
Schwabing lebt von seinem Ruf, und es trägt schwer daran. Die Mieten gehören längst zu den höchsten Münchens, die Bohème ist Geschichte, und mancher alteingesessene Laden hat einer Kette weichen müssen. Wer dem Viertel nachspürt, der findet den Mythos heute eher in den ruhigen Jugendstilstraßen als auf der lauten Leopoldstraße.
Trotzdem bleibt Schwabing einer der schönsten Orte Münchens, um einen Tag zu verbringen. Ein Spaziergang durch den Englischen Garten, ein Kaffee am Wedekindplatz, ein Blick auf eine alte Fassade: Schwabing ist kein Ort, den man abhakt, sondern einer, an dem man sich treiben lässt. Wer mehr über das Viertel wissen will, findet bei den Stadtteilen Schwabings einen Überblick.